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Als Kolumbarium wird eine Begräbnisstätte bezeichnet, die in Form einer Halle, eines Gewölbes oder als Nischenwand im Freien der Beisetzung und Aufbewahrung der Urnen eingeäscherter Verstorbenen dient.

 

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Aus dem Lexikon

Die Erdbestattung Unter einer Erdbestattung (auch: Inhumation) versteht man die Beisetzung des Leichnams in ... weiter lesen

Weiße Kiesel: Symbol der ewigen Verbundenheit

Rund 3300 Juden in Württemberg bewahren die Friedhofskultur ihrer Ahnen in lebendigem Glauben

Stuttgart. In Baden-Württemberg gibt es mehr als 140 jüdische Friedhöfe. Auf einigen ist lange niemand mehr beerdigt worden, die Grabsteine sind moosbewachsen. Andere zeugen mit frischen Gräbern, auf denen Kiesel liegen, vom lebendigen Gedenken. Einblicke in die jüdische Friedhofskultur bei einem Rundgang durch das “stille Haus des Lebens”.

 

Natanael Wurmser, der jüdische Landesrabbiner Württembergs, muss das Tor zum jüdischen Teil des Pragfriedhofes erst aufschließen, damit man unter dem majestätischen steinernen Torbogen hineingelangen kann. Hier, unter riesigen, alten Kastanien, gibt es nämlich nur noch ganz vereinzelt Plätze, wo noch beerdigt wird. Die meisten Grabinschriften auf der Prag sind aus dem 19. Jahrhundert, sie enden mit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

 

 

"Das sind schon die Deportationen", sagt Wurmser, und deutet auf einen Grabstein mit zwei gleichen Nachnamen. Todesjahr: 1938. Es ist ein einfacher schmuckloser Stein, mit lateinischen Buchstaben besetzt. Doch es gibt auch andere. "Wenn Sie hier rübersehen, dann sehen Sie den Querschnitt der Bevölkerung." Wurmser deutet über verschiedene Grabsteine hinweg, die vom aufwendigen Schliff, über eine an Tempel erinnernde Form bis hin zu übermannshohen Stelen reichen. Dazwischen gibt es naturbelassene, kleine, ganz einfache Steine, je nach Geldbeutel und Glaubenstradition, mit hebräischen Buchstaben und ins Deutsche übersetzten Namen und Lebensdaten.

 

"Wenn jemand jung gestorben ist, ist die Stele abgeschnitten", erklärt der Rabbiner. Ist jemand Nachkomme aus dem Stamm der Leviten, so ziert seinen Grabstein oft die Kanne zur rituellen Händewaschung, das sogenannte Levi-Kännchen. War jemand Priester, sind segnende Hände in den Stein gehauen, hat jemand das Horn in der Synagoge geblasen, um die Gemeinde zu versammeln, ist auf seinem Grabstein das Symbol des Widderhorns, jüdisch "Schofar", verewigt.

 

Blumen passen nicht zum “Haus des Lebens”

 

Nur Blumen sieht man auf dem alten Friedhof kaum. Stattdessen wachsen Gras oder niedrige Sträucher. Blumen sind das Zeichen der Vergänglichkeit. Sie werden auch nicht bei der Beerdigung zum Abschied ins Grab gegeben. Das passt nicht zu "Bet Hachajim", zum "Haus des Lebens", wie die Juden ihren Friedhof nennen. Stattdessen schaufelt verschiedentlich die Trauergemeinde das Grab symbolisch selbst zu.

 

Jüdische Rabbiner sind hier beerdigt, aber auch so bekannte Namen wie Einstein und eben "Levi" sind viele hier zu finden. Die Familienforschung dieses Stammes wird seit Jahrtausenden fortgeführt, und dieser Stamm sei der einzige, der sich definitiv bis zum biblischen Jakob zurückverfolgen ließe, sagt Wurmser.

 

Der Weg durch den friedlichen Ort führt vorbei an einem runden Platz, auf dem einst die synagogenartige Aussegnungshalle stand, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Und ganz versteckt, im Schatten hoher Kastanien, liegt das Denkmal für die 98 jüdischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallen sind. Eigentlich ist der ganze Friedhof ein einziges Denkmal. Hier kommt kaum jemand mehr her. Wie viel der Krieg hier zerstört hat, wo die Grabsteine ursprünglich standen, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Deshalb sind die Grabsteine auch nicht alle gen Osten ausgerichtet, wie das auf jüdischen Friedhöfen sonst eigentlich üblich ist.

 

Ende der dreißiger Jahre und nach dem Krieg, 1945, entstand in Bad Cannstatt, in Steinhaldenfeld auf dem neuen Zentralfriedhof, ein frei zugänglicher, in jüdischem Besitz befindlicher Teil. Und hier ist ein weiteres Zeugnis jüdischen Glaubens augenfällig: Fast überall liegen kleine, weiße Kiesel auf den Gräbern. Zum Teil auf den Grabsteinen, auf den Gräbern selbst oder auch um die Einfassungen damit auszufüllen. "Die Steine symbolisieren die Grabhügel nach der biblischen Tradition", sagt Wurmser.

 

Ein Grabplatz für die Ewigkeit

 

Wer hierher kommt, um seine Angehörigen zu besuchen, der legt einen Stein auf das Grab, um zu zeigen, dass er eine Beziehung zum Verstorbenen hat. Dieser nämlich, sechzig sind es in Württemberg jährlich, erwirbt mit seiner Beerdigung den Grabplatz für alle Zeiten. Auflösungen gibt es in der jüdischen Tradition nicht, genauso wenig wie Brandbestattungen, denn der Mensch müsse so gebettet werden, sagt Wurmser, wie er gekommen sei. In neuer Zeit hat der Blumenschmuck zugenommen. Bei manchen Menschen gehe die Tradition langsam verloren, bedauert er. Dann wäscht er sich die Hände an einem Wasserbecken, wie es sich am Ausgang jedes jüdischen Friedhofes befindet. "Wenn wir uns einem Grab auf zwei Meter nähern, müssen wir uns anschließend reinigen", erklärt er und begeht das Ritual sorgfältig.

 

Wurmsers Handy klingelt. Gemeindeglieder brauchen ihn. Der Ausflug in die fremde Welt ist zu Ende, und der Rabbiner verlässt den friedlichen Ort, der sich, wie alle jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg, in der Obhut der Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg und unter der Aufsicht des Innenministeriums befindet. Der älteste, vollständig erhaltene ist nach Angaben der Landeszentrale für politische Bildung übrigens jener in Wertheim aus dem Jahr 1406. Im Mittelalter lebten nämlich in fast allen Städten Süddeutschlands Juden. In Württemberg sind es heute rund 3300. Und sie führen die Tradition ihrer Ahnen im lebendigen Glauben fort. K Sabine Krell

 

Quelle: www.stuttgarter-zeitung.de

 

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